Der eigene Tone of Voice

25. September 2026

KI-Texte haben einen Wiedererkennungswert, den niemand haben will. Beim jüngsten AI:Xplorer haben wir uns gemeinsam mit unseren KI-Experten Johannes Kloibhofer und Dennis Preiter angeschaut, woran das liegt und wie sich das verhindern lässt.

E-Mails, Berichte, Präsentationen, Arbeitspakete oder Social-Media-Beiträge können mithilfe von KI innerhalb weniger Minuten erstellt werden. Mit der zunehmenden Nutzung von KI wächst auch die Diskussion über die Qualität und Wirkung dieser Texte. Die Kritik: KI-Texte klingen zu generisch, geschliffen, unpersönlich und austauschbar.

Wir wollen Texte künftig nicht nur schneller erstellen können, sondern auch sicherstellen, dass sie weiterhin den Schreibstil der jeweiligen Person, des Teams oder des Unternehmens widerspiegeln.

Warum KI-Texte oft ähnlich klingen

Die meisten Menschen erkennen sehr schnell, ob ein Text nach ihnen klingt oder nicht. Doch woran liegt das? Einzelne Wörter oder Formulierungen verraten wenig darüber, wer den Text geschrieben hat und sind auch kein Beweis für einen KI-generierten Text. Erst die Kombination einzelner Merkmale ergibt ein Muster, das mit KI-generierten Inhalten in Verbindung gebracht wird und KI-Texte schnell enttarnt.

Einige Merkmale sind unter anderem:

  • Sehr gleichmäßiger Rhythmus
    Viele KI-Texte haben ähnlich lange Sätze und Absätze. Menschen schreiben in der Regel unregelmäßiger.
    Ähnliche Strukturierung
    KI gliedert seine Texte gerne in Einleitung, drei Unterpunkte und Fazit. Das macht KI-Texte sehr vorhersehbar.
  • Typische Kontrastmuster
    Formulierungen, wie „Nicht X, sondern Y“, „Viele glauben ..., tatsächlich ...“ oder „Auf den ersten Blick ..., bei genauer Betrachtung ...“ kommen überdurchschnittlich häufig in KI-Texten vor.
  • Wenig sprachliche Eigenheiten
    Die meisten Menschen haben eigene Angewohnheiten bzw. einen eigenen Schreibstil, der sich in bestimmten Übergängen, der Wortwahl oder den Satzlängen und auch kleinen Unsauberkeiten spiegelt. KI glättet vieles davon.
  • Allgemeingültige Aussagen
    Ein sehr häufiges Muster, dass sich in KI-Texten finden lässt, sind allgemeingültige Aussagen wie „Eine klare Strategie ist entscheidend.“ oder „Kommunikation ist wichtig.“. Es mag sein, dass die Aussagen grundsätzlich richtig sind, aber ohne Kontext oder konkrete Beispiele sind sie austauschbar.

Auch aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu ähnlichen Beobachtungen. Die Studie von Kobak et al. (Science Advances, 2025) untersuchte den Einfluss von KI auf wissenschaftliche Publikationen und identifizierte Veränderungen anhand von mehreren sprachlichen Merkmalen. Die Ergebnisse zeigen beispielsweise, dass seit der Verbreitung von Large Language Models (LLMs) bestimmte Wörter und Formulierungen in wissenschaftlichen Publikationen deutlich häufiger vorkommen. Besonders auffällig war der starke Anstieg bestimmter Begriffe: Das Wort „delve“ trat in den untersuchten Abstracts nach der Verfügbarkeit von ChatGPT rund 28-mal häufiger auf als zuvor.

Zudem steigt auch der Anteil von Texten, die zumindest teilweise mit KI erstellt oder überarbeitet wurden. Wenn wir künftig nicht nur Texte im gleichen Schreibstil lesen wollen, sollten wir dem gezielten Einsatz von KI beim Schreiben mehr Aufmerksamkeit schenken.

Das eigene Stilprofil

Die meisten Menschen erkennen zwar, ob ein Text nach ihnen klingt oder nicht, können die Gründe dafür aber nicht genau benennen. Hier kommt das persönliche Stilprofil ins Spiel.

Statt die KI zu bitten, den Text noch einmal zu optimieren, lässt man sie aus echten Textbeispielen ein Stilprofil erstellen, das der eigenen Sprache entspricht. Anschließend lassen sich daraus Muster zur Satzlänge, zur Anrede, zum Aufbau von Argumentationen oder zur Verwendung bestimmter Formulierungen und Wörter ableiten. Dieses Stilprofil kann zukünftig als Grundlage für die weitere Zusammenarbeit mit der KI genutzt werden. Je genauer diese Beschreibung ist, desto konsistenter werden die Ergebnisse.

Und was für Einzelpersonen funktioniert, funktioniert genauso für Ihr Unternehmen als Corporate Tone of Voice. In einem Copilot-Studio-Agenten hinterlegt, stellt dieser sicher, dass hunderte Mitarbeitende markenkonform schreiben. Viele Organisationen verfügen bereits über Corporate-Wording-Guides oder Kommunikationsrichtlinien. Diese richten sich jedoch in den meisten Fällen noch an Menschen. KI-Systeme benötigen deutlich präzisere Vorgaben als Menschen. Begriffe wie "persönlich", "authentisch" oder "professionell" lassen sich sehr unterschiedlich interpretieren. Deshalb ist es wichtig, auch konkrete Beispiele oder Regeln zu ergänzen, um in weiterer Folge reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten.

Warum wir das Schreiben nicht vollständig auslagern sollten

Besonders interessant war die Diskussion beim AI:Xplorer über die Auswirkungen von KI auf das Schreiben selbst. Dabei wurde zwischen dem Verfassen von Texten und dem eigentlichen Denkprozess dahinter unterschieden.

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es hierzu noch viele offene Fragen. Langfristige Erkenntnisse darüber, wie sich die intensive Nutzung von KI auf Schreib- und Denkgewohnheiten auswirkt, sind bislang nur begrenzt verfügbar. Es gibt jedoch erste Hinweise darauf, dass die Reihenfolge in diesem Prozess entscheidend sein könnte. Wer zuerst eigene Gedanken entwickelt und KI anschließend zur Strukturierung oder sprachlichen Ausarbeitung nutzt, verwendet die Technologie anders als jemand, der sich alles von der KI vorgeben lässt.

Für viele Menschen ist Schreiben ein Denkwerkzeug. Während des Schreibprozesses können Informationen geordnet, neue Zusammenhänge erkannt, Argumente verfeinert und eigene Standpunkte gebildet oder geschärft werden. Wenn dieser Denkprozess vollständig an die KI ausgelagert wird, geht damit ein wichtiger Reflexionsschritt verloren.

Der Kommunikationsstil und seine Bedeutung

Wer sich mit seinen Inhalten langfristig von anderen unterscheiden möchte, wird weiterhin eigene Erfahrungen, Beispiele, Perspektiven und Argumente einbringen müssen. Genauso wichtig – oder sogar noch wichtiger – ist es, die KI mit den notwendigen Informationen zum persönlichen Schreibstil, also einem Stilprofil, zu „füttern“, um die Inhalte im eigenen Tone of Voice erstellen zu können und folglich den individuellen Kommunikationsstil beizubehalten.

 

Teilnehmer:innen des AI:Xplorer haben von unseren Experten ein befüllbares Prompt-Template erhalten, das sie direkt auf eigene Texte anwenden können.

Key Takeaway
  • KI kommt beim Schreiben zunehmend zum Einsatz. Daher wird auch die Art, wie wir sie nutzen, immer wichtiger.
  • Stilprofile helfen dabei, den eigenen Kommunikationsstil systematisch in die Zusammenarbeit mit KI zu integrieren.
  • Ein Corporate Tone of Voice stellt sicher, dass hunderte Mitarbeitende markenkonform schreiben.
  • Die fachliche Einordnung von KI-Ergebnissen und das Urteilsvermögen bleiben weiterhin zentrale menschliche Aufgaben und sollten auf keinen Fall gänzlich der KI überlassen werden.
Key Takeaway

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