Konflikte sind teuer! Doch wie können Unternehmen ihr „Konfliktrisiko“ reduzieren?

8. April 2026

In jedem Unternehmen versickert manchmal wertvolle Energie in hitzigen Diskussionen und internen Scharmützeln - anstatt in die Zufriedenheit von Kund:innen oder in zukunftsweisende Projekte zu fließen. Konflikte gehören zum Arbeitsalltag, können aber schnell zu teuren Energiefressern werden, wenn sie nicht aktiv angegangen werden. Wie man damit richtig umgeht, beschreibt next level Expertin Katharina Heger in diesem Beitrag.

Einer bekannten Studie zufolge verbringt eine Führungskraft im Durchschnitt bis zu 25 Prozent ihrer Arbeitszeit mit der Bewältigung von Konflikten. Hinzu kommen versteckte Kosten wie Fehlzeiten, Demotivation oder gar Kündigung. Rechnet man das alles hoch, kommt man schnell auf mehrere tausend Euro pro Mitarbeitende pro Jahr.

„Wenn Spannungen nicht frühzeitig bearbeitet werden, binden sie immer mehr Energie und können zu massiven Blockaden führen. Am Ende kosten sie Zeit, Geld und Nerven.“ – Katharina Heger

Das frühzeitige Erkennen und offene Ansprechen von Konflikten ist daher entscheidend, um finanziellen Schaden abzuwenden und den Zusammenhalt im Team zu stärken.

Strukturelle Konflikte als (unsichtbarer) Kostenfaktor

Oft denkt man beim Wort „Konflikt“ automatisch an zwischenmenschliche Spannungen. Doch schon Peter Ferdinand Drucker (1909-2005) machte darauf aufmerksam, dass die überwiegende Zahl von Konflikten in Organisationen aus unklaren Strukturen, Prozessen und Rollen entsteht. „Das einzige, worum sich eine Führungskraft nicht zu kümmern braucht, sind Konflikte: Sie entstehen von selbst“, so der US-amerikanische Management-Vordenker mit österreichisch-ungarischen Wurzeln. Unausgesprochene Zuständigkeiten, mangelnde Transparenz oder widersprüchliche Ziele sorgen für Unsicherheit und Reibungsverluste. Genau diese strukturellen Hürden gilt es abzubauen.

Klare Abläufe, eindeutige Verantwortlichkeiten und eine nachvollziehbare Organisationskultur sind daher kein Luxus, sondern entscheidend, um Konflikte zu minimieren. Viele Unternehmen merken leider erst spät, dass sich ein gewisses Maß an professionell gestalteter Führungsstruktur und -kultur sehr schnell auszahlt - nicht nur für die Qualität der Arbeit, sondern auch für die Unternehmensbilanz.

Das Konfliktstufenmodell nach Friedrich Glasl

Besonders teuer werden Konflikte, wenn sie in fortgeschrittene Stufen eskalieren. Der Organisationsberater Friedrich Glasl hat in seinem Konfliktstufenmodell neun Eskalationsstufen definiert - jede Stufe bedeutet mehr Verhärtung, mehr Zeitaufwand und mehr Kosten. Wer also frühzeitig gegensteuert, spart viel Geld und Ärger. Dazu gehört eine offene Feedback- und Lernkultur, in der man Rückblick hält, Probleme offen diskutiert und sich nicht scheut, vermeintliche Tabus anzusprechen.

Tipps zur Konfliktprävention

Tipps zur Konfliktprävention

  • Strukturen schärfen: Klare Prozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Kultur pflegen: Offenheit, Ehrlichkeit und ein vertrauensvolles Miteinander fördern
  • Früh intervenieren: Spannungen transparent machen, bevor sie eskalieren
  • Kontinuierlich reflektieren: Retrospektiven und Teamanalysen als fester Bestandteil

Konfliktpotenziale mit KI sichtbar machen

Künstliche Intelligenz kann im Umgang mit Konflikten eine wichtige Rolle spielen. Sie ersetzt zwar nicht das persönliche Gespräch, kann aber schnell und unkompliziert in die Rolle eines kritischen Gesprächspartners schlüpfen.

KI-Setups wie jene, die wir beim change:maker Event vorgestellt haben, helfen dabei, blinde Flecken in der Kommunikation und Zusammenarbeit frühzeitig zu erkennen. KI versucht zwischen den Zeilen zu lesen, stellt Hypothesen über unausgesprochene Botschaften auf und macht es möglich, unterschiedliche Reaktionen in simulierten Gesprächen durchzuspielen. Das Wissen über verschiedene Konfliktpotenziale ebnet schließlich den Boden für konstruktivere Gespräche noch bevor ein Streit überhaupt entbrennt.

Konflikte als Chance

Konflikte sind unvermeidlich, müssen aber nicht zwangsläufig zu einem finanziellen oder personellen Desaster führen. Wer Konflikten mit der richtigen Strategie begegnet – von einer klaren Struktur bis zum mutigen Ansprechen unangenehmer Themen - verwandelt scheinbare Hindernisse in wertvolle Lernprozesse.

Gute Prozesse, klare Strukturen und eine fortschrittliche Unternehmenskultur, in dem das Team reift und resilienter wird, sind kein Nice-to-have, sondern ein Must-have, das dafür sorgt, dass Menschen in Organisationen gut arbeiten und frei von Spannungen ihr Potential entfalten können.

Über die Autor:innen

  • Mag. Katharina Heger ist Senior Consultant bei next level consulting. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich vor allem mit der Beantwortung folgender Fragen: Wie entwickeln wir in neuen Arbeitswelten Hochleistungsteams, die Freude am gemeinsamen Tun haben? Welche Prozesse, Struktur- und Kulturelemente braucht die Organisation von morgen?
  • Thomas Weidinger ist Communication-Professional, ehemaliger Chefredakteur, Content-Creator für Text, Bild und Ton.

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