Projektleiterinnen Frühstück: Was gute Teamarbeit in Projekten wirklich braucht

12. März 2026

Projektleiterinnen

Teamarbeit ist kein Selbstläufer. Besonders nicht, wenn ein Team neu zusammengewürfelt ist, remote arbeitet und kaum Zeit hat, sich persönlich kennenzulernen. Beim Projektleiterinnen-Frühstück am 6. März 2026 in Wien hat Pia Burchhart, IT-Projektmanagerin bei der Austrian Power Grid (APG), darüber gesprochen, wie man Vertrauen aufbaut, wenn das Budget fehlt, die Zeit knapp ist oder man sich überwiegend online trifft. Sie hat Methoden mitgebracht, die sich bereits in der Praxis bewährt haben und eigenen Erfahrungen dazu geteilt.

Ein Team ist mehr als die Summe seiner Mitglieder

Pia Burchhart hat ihren Vortrag inhaltlich mit einem mongolischen Sprichwort eingeleitet: Mit einer Hand lässt sich kein Knoten knüpfen.

Teamarbeit braucht Zusammenhalt, der auf einem stabilen Fundament basiert. In einem Team, das schon länger zusammenarbeitet und sich regelmäßig persönlich sieht, wächst diese Basis in der Regel mit der Zeit. In einem zusammengewürfelten Projektteam, das sich selten trifft und von verschiedenen Standorten aus arbeitet, muss gezielt nachgeholfen werden.

Da jedoch oft das Budget für große Teambuildingmaßnahmen fehlt, hat Frau Burchhart einige Methoden vorbereitet, die sie selbst eingesetzt hat und die keine großen Ressourcen brauchen.

Startworkshop: Lego-Anker

Vor einem Startworkshop schickt sie jedem Teammitglied ein kleines Lego-Set mit der Bitte, es erst beim Workshop zu öffnen. Dadurch lassen sich einzelne Persönlichkeiten und potenzielle Dynamiken schnell erkennen. Die einen haben es – entgegen der Anforderung – bereits vor dem Startworkshop geöffnet, andere haben es wiederum versteckt, damit sie nicht in Versuchung kommen, die Überraschung frühzeitig zu öffnen.

Während des Workshops werden anhand der einzelnen Lego-Sets Gruppen gebildet. Die Aufgabe ist, sich besser kennenzulernen. Die Lego-Minifiguren dienen als Eisbrecher und bringen erste Gespräche schneller ins Rollen. Zudem sind die Figuren auch danach noch eine Erinnerung an den gemeinsamen Start.

Kühlschrank-Quiz: Humor als Türöffner

Ausgewählte Teammitglieder schicken ein Foto ihres Kühlschranks. Im nächsten Meeting werden die Bilder anonym gezeigt und das Team muss erraten, wem welcher Kühlschrank gehört. Diese Methode führt fast immer dazu, dass viel gelacht wird, persönliche Merkmale ausgetauscht werden und die Stimmung sofort spürbar entspannter ist. Humor baut nämlich Hemmungen ab und wer einmal gemeinsam gelacht hat, arbeitet auch einfacher zusammen.

Wem ein Kühlschrankbild zu persönlich ist, kann dasselbe Prinzip zum Beispiel mit dem Arbeitsplatz oder dem Schuhschrank ausprobieren.

Austausch: Selbst- und Fremdbild

Eine weitere, sehr simple Methode, um sich besser kennenzulernen, ist der gezielte Austausch über Skills, Lernwünsche und Rollen. Wenn jede Person im Team weiß, was sie selbst einbringt und was die anderen können, fallen schon mal viele Missverständnisse weg. Wer Hilfe braucht, weiß, an wen er sich wenden kann. Gut ergänzen lässt sich das durch die Working Out Loud-Methode (WOL), bei der Teammitglieder regelmäßig Fortschritte und Wissen teilen. Damit wird Transparenz zur Gewohnheit und die Zusammenarbeit einfacher.

Persönlichkeiten kennen und Kommunikation verbessern

Keine Person verhält sich immer gleich. Menschen setzen sich aus vielen Facetten zusammen. Je nach Situation treten unterschiedliche Charaktereigenschaften zum Vorschein, die im Projekt entsprechend berücksichtigt werden sollten. Darum hilft es, etwas Hintergrundwissen über diese „inneren Bausteine“ zu haben. Denn der richtige Mix aus den unterschiedlichen Teilen ist entscheidend für den Erfolg eines Teams. Pia Burchhart hat Modelle vorgestellt, die dabei helfen, verschiedene Persönlichkeiten und Kommunikationstypen im Blick zu behalten.

Process Communication Model

Das Process Communication Model (PCM) nach Taibi Kahler beschreibt sechs Typen, die jeder Mensch in unterschiedlicher Ausprägung in sich trägt: Empathiker:innen, Logiker:innen, Macher:innen, Beharrer:innen, Träumer:innen und Rebell:innen. Das PCM ermöglicht es, Kommunikationsstile besser zu verstehen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und die Stärken im Team gezielter einzusetzen. Das Modell steckt Menschen nicht in Schubladen, sondern hilft dabei zu verstehen, warum jemand in einer bestimmten Situation so reagiert wie er reagiert.

Die vier Tiertypen

Tobias Beck, Bestsellerautor und internationaler Speaker, hat ein Modell zur Persönlichkeitsanalyse entwickelt. Dieses Modell teilt Menschen in vier Tiertypen: Wal, Hai, Delfin und Eule. Diese Persönlichkeitstypen repräsentieren unterschiedliche Eigenschaften und Verhaltensweisen. Der Wal steht für Empathie, der Hai für Effizienz, der Delfin für Offenheit und Optimismus, die Eule für Präzision. Das Verständnis dieser unterschiedlichen Typen ist maßgeblich, um die Kommunikation und Beziehungen in persönlichen und beruflichen Kontexten zu verbessern.

Pia Burchhart teilte dazu noch eine persönliche Erfahrung: Sie hat das Modell ihren Kindern gezeigt. Deren Reaktion war: „Aber Mama, du bist doch alle vier.“ Genau das ist der Punkt: Der Mix dieser Persönlichkeitstypen ist individuell und situationsabhängig. Das gilt für jede Person im Team.

Motivation ist keine Einbahnstraße

Motivation ist keine Einbahnstraße

Motivation entsteht in einem vertrauensvollen Klima, in dem Begeisterung gefördert, statt gehemmt wird. Doch Motivation lässt sich nicht erzwingen. Nur wer selbst motiviert vorangeht, kann auch andere mitreißen. Frau Burchhart stellte dazu verschiedene kreative Methoden vor, die im Projektalltag leicht umsetzbar sind:

Gemeinsam neue Methoden ausprobieren

Wenn ein Team eine neue Methode gemeinsam testet, etwa die 1-2-4-all-Methode zur Ideenentwicklung oder die Eat-the-Frog-Technik gegen Prokrastination, entsteht eine geteilte Erfahrung, die wiederum zusammenschweißt. Weitere Beispiele wären IKIGAI, Red Bull Wingfinder Persönlichkeitstest oder Pomodoro Technique.

Komplimente-Dusche

Wirkt vielleicht zunächst übertrieben und unauthentisch, ist aber erstaunlich zuverlässig. Teammitglieder geben sich gegenseitig positive Rückmeldungen, ehrlich und konkret. Eine Bemerkung wie „Das hast du heute gut moderiert“ kostet nichts und bleibt trotzdem in Erinnerung. Entscheidend ist, dass die Komplimente authentisch sind und die Methode regelmäßig eingesetzt wird, nicht nur einmalig.

Wissensaustausch auch ohne großes Budget

Nicht jede Weiterbildung erfordert ein ganzes Team in einer Schulung. Wer an einem Training teilgenommen hat, kann die Kernerkenntnisse in einer kurzen Knowledge-Sharing-Session weitergeben. Auch eine negative Erfahrung zu teilen, kann sinnvoll sein. Die anderen wissen dann, dass sie nichts verpasst haben.

Best Practices und Lessons Learned

Im zweiten Teil des Frühstücks wurden die Teilnehmerinnen selbst aktiv. Frau Burchhart teilte die Teilnehmerinnen in mehrere Kleingruppen auf. Jede Gruppe hat eine Frage formuliert, beantwortet, und dann den Zettel mit der Frage und den Antworten den anderen Gruppen weitergegeben, die ebenfalls Antworten ergänzten. Die Fragen reichten von „Woher kommst du gerade?“ bis hin zu „Welche Skills bringe ich mit, die gar nicht in meiner offiziellen Stellenbeschreibung stehen?“ Die gestellten Fragen umfassten sowohl persönliche als auch berufliche Themen und ermöglichten es den Teilnehmerinnen so, sich innerhalb kürzester Zeit etwas besser kennenzulernen.

Beim Austausch über bewährte Teambuilding-Methoden aus dem eigenen Berufsalltag kamen spannende Beispiele auf: kochen für den guten Zweck, Backkurse oder Kochkurse, Kennenlern-Bingo, Stimmungsbarometer, das „Vier-Aussagen-Spiel", bei dem eine von vier Aussagen gelogen ist, oder der Kugelbahn-Wettbewerb, bei dem zwei Gruppen erst später erfahren, dass ihre Teilbauten am Ende verbunden werden müssen.

Nach zahlreichen Best-Practice-Beispielen brachte Organisatorin Rebecca Schreiberová auch ein Gegenbeispiel eines Bekannten ein. Lego-Minifiguren auf dem Boden zusammenzubauen, kann in einem lockeren Umfeld gut funktionieren. In einem formellen Umfeld kann dieselbe Übung jedoch das Gegenteil bewirken. Ihr Fazit, das von den anderen bestärkt wurde: Beim Einsatz solcher Maßnahmen unbedingt auf den Kontext achten. Sie funktionieren nur dann, wenn sie zur Unternehmenskultur passen und die Teilnehmer:innen sich dabei wohlfühlen. Eine andere Teilnehmerin teilte die Erfahrung, dass Teambuilding-Maßnahmen in Meetings prinzipiell angenommen werden, außerhalb der Arbeitszeit ist die Teilnahmebereitschaft jedoch gering.

Kleine Gesten, große Wirkung

Was Pia Burchhart an diesem Vormittag mitgegeben hat, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Teamarbeit ist eine Superkraft.

Besonders wichtig ist es, zu verstehen, dass ein Team mehr ist als die Summe seiner Mitglieder. Es reicht nicht nur die einzelnen Mitglieder zu kennen und ihnen Rollen zu zuordnen. Als Projektleiter:in sollte man stets die Gruppendynamik sowie die Qualität der Zusammenarbeit im Blick haben und regelmäßig Maßnahmen einplanen, die sowohl das Vertrauen als auch die Motivation innerhalb des Teams fördern. Denn gute Zusammenarbeit entsteht selten von selbst. Sie braucht regelmäßig Aufmerksamkeit, ein bisschen Kreativität und die Fähigkeit, den Menschen hinter der Projektrolle zu sehen.

Das Projektleiterinnen Frühstück ist seit 20 Jahren ein Ort, an dem Projektleiterinnen sich auf Augenhöhe begegnen, voneinander lernen und konkrete Methoden mit in ihren Arbeitsalltag nehmen. Dieser Termin war dafür ein besonders gelungenes Beispiel.

Key Takeaways

  • Vertrauen ist die Basis von Teamarbeit und braucht konkrete Anknüpfungspunkte, gerade in remote oder neu zusammengesetzten Teams.
  • Einfache, kostengünstige Methoden wie der Startworkshop oder das Kühlschrank-Quiz können Eis brechen und die Stimmung lockern.
  • Persönlichkeitsmodelle wie PCM oder die Tiertypen nach Tobias Beck helfen, Kommunikationsstile zu verstehen, wobei kein Mensch in nur eine Schublade passt.
  • Jedes Teammitglied bringt unterschiedliche Facetten und Charaktereigenschaften mit. Der richtige Mix aus verschiedenen Persönlichkeiten ist entscheidend für den Projekterfolg.
  • Motivation entsteht in einer wertschätzenden Umgebung und lässt sich durch regelmäßige kleine Gesten und geteilte Erfahrungen gezielt fördern.
  • Wissensaustausch funktioniert auch ohne Schulungsbudget. Eine gut moderierte Knowledge-Sharing-Session kann wirkungsvoller sein als ein teures Seminar.
  • Teambuilding-Maßnahmen wirken besser, wenn sie zur Unternehmenskultur passen und in der Arbeitszeit stattfinden.
Pia Burchhart
IT‑Projektmanagerin, Austrian Power Grid

Über die Vortragende

Pia Burchhart ist seit 2008 als IT‑Projektmanagerin bei der Austrian Power Grid tätig. In dieser Zeit durfte sie in zahlreichen Projektteams in verschiedensten Rollen mitarbeiten oder Projekte selbst leiten. Dadurch konnte sie umfassende Erfahrungen im Projekt- und Change Management sammeln. Wissen weiterzugeben und andere auf ihrem Weg zu unterstützen, ist für sie echte Leidenschaft.

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