Alt und Neu: Das Bild von der „Hängebrücke“
Ein grundlegendes Dilemma in vielen Unternehmen ist heute das Zusammenspiel von Alt und Neu. Ältere Mitarbeitende wünschen sich (nicht immer, aber häufig) feste Regeln, feste Verträge und langfristige Sicherheit. Jüngere Generationen legen viel öfter Wert auf Freiräume, Homeoffice, Mitspracherecht und flexible Arbeitsgestaltung. Solche Brüche gibt es auch auf der individuellen Ebene: Wer sich ausgebrannt fühlt, sucht in der persönlichen Krise nach neuen Wegen. Doch Veränderung ist nicht einfach.
Was wäre, wenn wir erkennen, dass wir uns auf einer schwankenden Hängebrücke befinden, unter uns ein Abgrund, vor uns ein Weg, den wir nicht richtig einschätzen können? Die Metapher von der „Hängebrücke“ versinnbildlicht die aktuelle Situation vieler Organisationen: Auf der einen Seite stehen die bekannten Prozesse, Hierarchien und Abläufe. Auf der anderen Seite sehen wir bereits den neuen Weg. Doch mitten auf der Hängebrücke, mitten im Wandel, überkommt uns die Angst, abzustürzen.
Dieser Zustand beschreibt eine Zeit des Übergangs: Wir halten uns dann an alten Sicherheiten (den Seilen) fest, obwohl diese Komfortzone gar nicht mehr so komfortabel ist. Gleichzeitig sehen wir auf der anderen Seite ein Ufer, an dem Freiheit und Mitgestaltung eine andere Arbeitswelt versprechen. Aber der Schritt auf die andere Seite ist nicht so einfach, und die Situation schafft Unsicherheit auf beiden Seiten der Hängebrücke: Diejenigen, die den Schritt bereits gewagt haben, fragen sich, warum die anderen noch zögern. Und umgekehrt wissen diejenigen, die sich noch festhalten, nicht, welche Chancen das neue Umfeld bietet.
Statt gegenseitiger Verurteilungen braucht es einen produktiven Dialog zwischen beiden Seiten. Die Vorreiter:innen, die schon ein Stück weiter sind, können und sollen als Change Begleiter:innen den anderen die Hand reichen.
Die konkrete Situation im Arbeitsalltag ist von Thema zu Thema unterschiedlich: In einer lebendigen, lernenden Organisation gibt es Bereiche, in denen man Mentor:in sein kann, während man in anderen Bereichen selbst Unterstützung braucht. Diese Wechselseitigkeit stärkt das Wir-Gefühl. Denn wer in seiner Rolle als „Chef:in“ erstarrt, verschließt sich oft dem Lernen und blockiert damit den Wandel.