Wie wir die Arbeitswelt neu denken – Teil 2

20. April 2026

Wer als Führungskraft die Zukunft mitgestalten will, muss sich von starren Denkmustern verabschieden. Als wichtigste Wegweiser sieht Sabine Reithofer-Reinhardt Mentor:innen sowie Emotion und Intuition. Die entscheidende Botschaft lautet: Veränderung beginnt bei uns selbst!

Teil 2: Change Management braucht Paradigmenwechsel

Erfolgreiche Veränderungen gelingen selten im Alleingang. Es braucht Menschen, die schon ein Stück weiter sind und den anderen die Hand reichen. Daraus ergeben sich zwei zentrale Rollen:

  1. Change-Begleiter:innen, Mentor:innen oder Coaches: Sie haben bereits einige Schritte in Richtung des Neuen gemacht, verfügen über Wissen, das anderen noch fehlt, und können Unsicherheiten abbauen.
  2. Nachfolger:innen, die sich noch im alten Rahmen (oder auf der im Blog Teil 1 erwähnten „Hängebrücke“) befinden, aber neugierig nach vorne blicken.

Wenn ich als Führungskraft schon Licht am Ende der Brücke sehe, kann ich den Zögernden Mut machen und sie unterstützen. Umgekehrt kann man für sich selbst Mentor:innen in anderen Themen suchen, wo persönlich noch Unsicherheit besteht.

Stellen Sie sich die Frage: Bin ich schon die Person, die anderen helfen kann – oder brauche ich selbst noch eine Hand, die mich über die Hängebrücke führt?

Vorteile professioneller Change-Begleitung

  • Beschleunigter Lernprozess: Externe Coaches oder interne Mentor:innen, die bereits Erfolge vorweisen können, helfen, typische Fallen zu vermeiden.
  • Neutraler Blick: Interne Machtstrukturen erschweren eine objektive Analyse. Ein Blick von außen kann helfen, Konflikte schneller zu erkennen.
  • Emotionsmanagement: Ein guter Coach ist zugleich Begleiter, Zuhörer und Vermittler bei Spannungen im Team.

Geben und Nehmen ist der Kern eines erfolgreichen Change Managements. Deshalb muss vermieden werden, dass die Innovatoren eine andere Sprache sprechen als die noch zögernden Kolleg:innen – sonst erreichen sie diese nicht. Mentor:innen oder Coaches müssen nicht perfekt sein, sondern nur zwei, drei Schritte voraus, damit man ihnen vertraut.

Emotionen als Wegweiser (statt als Störfaktor) sehen

Ein zentrales Element dieser Denkweise ist der Umgang mit Emotionen, der im Blog Teil 1 angesprochen wurde. In der alten Arbeitswelt hieß es oft: Emotionen haben im Beruf nichts zu suchen! – Dabei sind Emotionen wesentliche Treiber für Motivation und Innovationskraft. Wenn wir begeistert sind, wenn wir nicht durch Angst oder Ärger gehemmt werden, fällt es uns leichter, Leistung zu erbringen.

Es ist daher die Aufgabe guter Führung, Emotionen zuzulassen, sie als wertvolles Feedback zu erkennen und konstruktiv zu nutzen. Wer dies konsequent beherzigt, verabschiedet sich automatisch von einer reinen Zahlen-, Daten- und Faktenkultur.

Emotionen sind unser wertvollster Unterschied zu Maschinen, weil sie uns antreiben oder bremsen und wir sie bewusst einsetzen können.

Statt Konflikten oder diffusen Ängsten auszuweichen, sollten wir uns ihnen stellen, sie offen ansprechen und erkennen, was dahinter steckt. Diese Klarheit ermöglicht es, Veränderungen von innen heraus zu gestalten, statt sie als lästige Umstrukturierungen zu verordnen.

Intuition ist wichtiger als der Verstand

Intuition ist wichtiger als der Verstand

In vielen Unternehmen gilt immer noch das Prinzip: Entscheidungen werden rational getroffen, gestützt auf Kennzahlen, Analysen, Tools und Gremienbeschlüsse. Das ist zweifellos sinnvoll – aber nur ein Teil der Wahrheit. Der Verstand kann nur auf bereits gemachte Erfahrungen zurückgreifen, während die Intuition ein viel tiefer gehender Kompass ist.

Gerade Topmanager:innen kennen diese Situation: Komplexe Fragestellungen lassen sich kaum mit rein rationalen Besprechungen bewältigen. Viele Faktoren, die das Marktgeschehen, Kundenbedürfnisse oder neue Technologien betreffen, ändern sich ständig. Die Fähigkeit, intuitiv zu spüren, welche Richtung stimmig ist, gewinnt rasant an Bedeutung.

Intuition im Management

  • Ergänzender Mehrwert: Intuition ersetzt keine saubere Analyse, sondern ergänzt sie.
  • In sich hineinhorchen: Ob als „Bauchgefühl“ oder innere Stimme – die Intuition ist eng mit unbewusstem Wissen verbunden.
  • Bewährte Technik: Viele Spitzenmanager:innen setzen auf eine Mischung aus Datenanalyse (Verstand) und instinktiver Entscheidung (Intuition).
  • Förderung durch Freiräume: Wer sein Team ständig unter Zeitdruck setzt, nimmt ihm die Chance, sich intuitiv einzufühlen und kreative Lösungen zu entwickeln.

Ein Blick in die Zukunft & ein Appell

Am Anfang von Change Management steht eine Vision: Organisationen, in denen Menschen sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit einbringen können, ohne permanent überlastet zu sein. Mitarbeiter:innen gehen einer Arbeit nach, in der Leistung mit Freiheit, Sinn und Empathie verbunden ist.

Veränderungen können nicht überall gleichzeitig und nicht immer reibungslos stattfinden. Spannungen gehören zum natürlichen Prozess, wenn eine alte Welt einer neuen Platz macht. Die Kunst besteht darin, im Dialog zu bleiben, neugierig zu sein und sich von inspirierenden Vorbildern an die Hand nehmen zu lassen.

Change Management in kleinen Schritten

  • Gehen Sie mutig die ersten Schritte.
  • Klären Sie mit Ihrem Team, was Freiheit und Verantwortung für Sie konkret bedeuten.
  • Üben und trainieren Sie immer wieder die Elemente der Veränderung und den Austausch darüber.
  • Seien Sie Vorbild, indem Sie zuhören, Fragen stellen, Unsicherheiten aushalten und gleichzeitig Chancen aufzeigen.
  • Laden Sie junge Talente ebenso ein wie erfahrene Mitarbeiter:innen, die den Wandel mitgestalten wollen.

Auf der anderen Seite erwartet uns keine heile Welt, aber eine neue Welt, in der wir nicht mehr den Menschen hinter die Leistung stellen, sondern Mensch und Leistung in eine fruchtbare Balance bringen:

Dort, so sagen diejenigen, die den Wandel bereits erlebt haben, entstehen Synergien, Innovationen und eine neue Art von Erfolg, die wir uns in der alten Welt kaum vorstellen konnten.

Ein Paradigmenwechsel geschieht nicht über Nacht. Aber jede Führungskraft, die sich auf den Weg macht und andere mitnimmt, trägt dazu bei, die neuen Rahmenbedingungen zu schaffen. Das ist vielleicht kein leichter, aber ein lohnender Weg.

Über die Autor:innen

  • Dr. Sabine Reithofer-Reinhardt ist Senior Consultant bei next level consulting Salzburg und Lektorin an der Universität Salzburg. Ihr besonderes Interesse gilt allen Aufgabenstellungen im Bereich Projekt- & Change Management. Darüber hinaus ist sie Autorin des von der PMA empfohlenen Projektmanagement-Fachbuchs „Diamond Thoughts“ und produziert regelmäßig Podcasts unter dem Titel „Diamond Ladies Talk“.
  • Thomas Weidinger ist Communication-Professional, ehemaliger Chefredakteur, Content-Creator für Text, Bild und Ton.

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